Montag, April 05, 2010

Ausflug mit Madame Fantastique

Hallo Ihr Lieben,
ich weiß ja nicht, wie Ihr die Osterfeiertage verbracht habt, aber ICH war mal wieder in meiner Heimat. Und dank einer glücklichen Fügung habe ich diesen Ausflug genutzt, um auch mal wieder alte Freundinnen zu sehen und mit ihnen unterwegs zu sein. Dabei konnte ich auch zwei Familiengeheimnisse entmysthifizieren:
  1. Mein Bruder ist der einzige Mensch, den ich kenne, der sich im Internet unter den abstrusesten Pseudonymen anmeldet.
  2. Meine Mutter ist - mich ausgenommen, denn diese Eigenschaft schien mir bis dato lediglich vererbbar zu sein - der einzige Mensch, den ich kenne, der sich nicht scheut, im Restaurant mehrfach zu reklamieren.

Zunächst einmal zu der Geschichte mit den Pseudonymen: mein Bruder hat mir stets eingebleut, mich im Internet nur dann unter meinem richtigen Namen anzumelden, wenn ich etwas bestelle, das an meine Adresse geliefert werden soll, oder aber, wenn ich online meine Bankgeschäfte tätige. Während ich selbst bei der Erfindung von Nicknamen nicht besonders viel Kreativität beweise, kommen bei ihm beispielsweise vergessen geglaubte Nahrungsmittel zum Zug. Und damit, so dachte ich, ist er ein echter Exot. Aber weit gefehlt.

Am Wochenende wurde ich Zeugin einer sehr ähnlichen Handlung ... ausgeführt von einer meiner Freundinnen. Wir hatten beschlossen, gemeinsam ins Kino zu gehen. Nachdem wir uns auf einen Film und ein Lichtspielhaus geeinigt hatten, erklärte sie sich bereit, die Karten zu reservieren und zu fahren. Sie sammelte uns also beide ein und wir reisten voller Vorfreude vom Land in die Stadt. Wir parkten den Wagen und fuhren mit dem Aufzug ins Foyer, wo wir uns an einer der Kassen anstellten, um die reservierten Karten abzuholen. Und dann passierte es: sie teilte uns den Namen mit, unter dem sie die Karten zurücklegen hatte lassen ... FANTASTIQUE ... und verkürzte uns mit dieser - wenn auch sinnlosen so doch kreativen - Handlung die sonst eher langatmige Wartezeit um Lichtjahre! Sie selbst hatte ja noch die Hoffnung, ihr Pseudonym lediglich uns anvertrauen zu müssen und bei dem Mitarbeiter hinter der Kasse mit der ReservierungsNUMMER glimpflich davon zu kommen. Aber diese Hoffnung wurde kläglich - und zu unserer Freude - zu Nichte gemacht.

Und nun zu der Geschichte mit den Reklamationen: meine Mutter hat die Angewohnheit, im Restaurant - und übrigens auch sonst überall - sowohl ihre Begeisterung als auch ihren Unmut über die von ihr käuflich erworbenen Dienstleistungen oder Waren Kund zu tun. Tut sie dies in meiner Anwesenheit, nervt mich das eigentlich oft sehr. Dennoch muss ich zugeben, dass diese Eigenschaft entweder abgefärbt hat oder aber vererbt wurde und so halte auch ich nur selten mit meiner Meinung hinterm Berg. Allerdings bin ich bisher - wohl auch aufgrund der schambesetzten Reaktionen von Freunden, Familienmitgliedern und Anverwandten - davon ausgegangen, dass wir beide da die Einzigen sind. Aber am Wochenende wurde ich auch hier eines Besseren belehrt.

Nach dem Besuch des Lichtspielhauses - übrigens möchte ich an dieser Stelle sagen, dass Sandra Bullock in diesem Jahr zwar in einem eher mittelmäßigen Film mitgespielt hat, dafür aber eine wirklich gute schauspielerische Leistung dargeboten und deshalb den Oscar zu Recht gewonnen hat - sind wir gemeinsam in eine Kneipe in direkter Nachbarschaft gegangen. Hierbei handelte es sich übrigens um ein zu einer Kette gehörendes Etablissement. Wir bestellten uns Cocktails und versuchten, uns trotz der sehr lauten und etwas basslastigen Musik zu unterhalten. Als die Cocktails dann kamen, stießen wir an und tranken einen ersten Schluck. Während das für zwei von uns keine nachhaltige Aktion war, spiegelten die Gesichtszüge der Dritten im Bunde sofort ihr Missfallen wider. Denn statt des auf der Karte beschriebenen ErdbeerPÜREES - oh Gott ... WIE schreibt man das nur?! - fanden sich in dem Getränk neben dem weit verbreiteten "crushed ice" vielmehr Erdbeeraromen, die wohl durch irgendein Pulver da hineingekommen waren. Nach einigem Zögern winkte die Freundin den Kellner heran und reklamierte. Der Mitarbeiter der Kneipe ging neben ihr in die Knie und faselte dann etwas von Rezepturen, die von der Zentrale vorgegeben werden, deren Ergebnisse ihm selbst jedoch auch nicht mundeten und bot ihr ein Ersatzgetränk an. Daraufhin bestellte sie ein Pils. Biertrinker unter Euch wissen, dass es sich dabei mitnichten um ein Weizen handelt ... aber genau das bekam sie dann ... wenn auch in einem nicht eindeutig als Weizenglas zu identifizierenden Gefäß. Bereits durch die Farbe und den Geruch etwas irritiert, nippte sie kurz daran und haderte mit sich, ob es denn tatsächlich angebracht und sozial erwünscht sein könnte, auch deses Getränk zu reklamieren. Nachdem sie sich durchgerungen hatte, versuchten wir gemeinsam, den für unseren Tisch zuständigen Kellner ausfindig UND auf uns aufmerksam zu machen. Zwar gelang uns dies nicht, ABER der junge Mann bemerkte beim Passieren unseres Tisches direkt und ohne fremde Hilfe, dass meiner Freundin - übrigens von seiner langjährigen Kollegin - das falsche Ersatzgetränk gebracht worden war. Er entschuldigte sich und kümmerte sich eigenständig und zügig um eine neue Lieferung auf Kosten des Hauses. ... Allerdings möchte ICH abschließend noch Folgendes anmerken: als Mitarbeiter einer Kneipe würde ich dem Kunden kein Getränk in Rechnung stellen, das er nicht getrunken hat. Genau das ist aber passiert. Denn meine Freundin musste den zuallererst georderten Cocktail - der natürlich viel teurer als das später tatsächlich konsummierte Pils war - bezahlen! ... Vor allem würde ich das als Mitarbeiter eines zu einer Kette gehörenden Etablissements, die ihre Gäste durch Aufsteller auf den Tischen auf eine Zufriedenheitsbefragung aufmerksam macht, mitnichten in Erwägung ziehen.

Also Ihr Beiden: DANKE für die Ausflüge in die französische Welt der Phantasie sowie die der Reklamation in Restaurants und vor allem DANKE für die Entmysthifizierung der Familiengeheimnisse ... wir kochen also doch alle nur mit Wasser.

Zeitumstellung und ihre Folgen

Hallo Ihr Lieben,
habt Ihr eigentlich auch mit zunehmendem Alter immer mehr Probleme mit der Zeitumstellung?! Ich schon! ... In diesem Jahr dachte ich allerdings, die negativen Konsequenzen dieses alljährlich zweimal stattfindenden Versuchs, die Bevölkerung zu verwirren und so von Unmutsbekundungen oder gar Demonstrationen abzuhalten, durch eine clevere Wochenendgestaltung umgangen zu haben. Wahrscheinlich ist MIR das auch gelungen. Aber mein Auto hat den widrigen Umständen leider nicht getrotzt.
Ich steige also am vergangenen Montag in mein Töfftöff, lege eine Gute-Laune-CD ein, starte den Motor und vernehme ... sein ganz normales leises Schnurren. So weit, so gut. Der Versuch, loszufahren und mein Auto weiter als lediglich um die parkenden Wagen vor mir zu lotsen, ist dann jedoch kläglich gescheitert. Ich lasse die Kupplung kommen, schlage das Lenkrad ein, rolle los und vernehme ein schreckliches Geräusch, das sich wohl wie folgt beschreiben lässt: stellt Euch vor, ein anderes Fahrzeug kracht in regelmäßigen, sehr kurzen Abständen mehrfach in Euer Auto und beim Versuch, zu fliehen, zerrt Ihr Euren Auspuff Funken schlagend hinter Euch her. Ähnlich muss es sich übrigens auch anFÜHLEN. Schweißausbrüche und Klos im Hals inklusive.
Nachdem ich es - wie erwähnt mittlerweile immerhin schon VOR den drei parkenden Autos angekommen - am Straßenrand abgestellt habe, steige ich aus und versuche auf der Straße liegend, den Grund für diese Aufmerksamkeit heischende Geräuschkulisse herauszufinden. Aber nichts ist zu sehen. Auch ein kleiner Rundgang ums Auto bringt kein Ergebnis. Die ersten Tränen der Verzweiflung unterdrückend rufe ich also zunächst mal bei einer Freundin an. O.K. WAS genau ich von ihr wollte, kann ich nicht mehr sagen. Aber nachdem ich sie geweckt hatte, war ich zumindest sicher, dass jetzt nur noch ein gelber Engel helfen kann.
Im Auto sitzend - es regnete übrigens in Strömen ... nur, falls ich das bisher noch nicht erwähnt hatte - rufe ich also die Hotline des Clubs an, in dem ich schon seit 7 Jahren Mitglied bin und werde von einer sehr freundlichen Stimme tatsächlich erst einmal gefragt, ob das - von mir wahrscheinlich sogar etwas übertrieben beschriebene Geräusch - mit zunehmender Geschwindigkeit leiser wird. HÄH?! Denkt diese Frau wirklich, dass ich mit diesem Auto auch noch auf die Autobahn fahre, um zu testen, ob das Geräusch sich antiproportional zur Geschwindigkeit verhält?! Die hat sie wohl nicht alle! ... Nun gut: als ich ihr erläutere, weshalb ich ihre Frage nicht beantworten kann, vertröstet sie mich um etwa eine Stunde. Ihr Kollege würde mich dann telefonisch kontaktieren.
Etwa 45 Minuten später - übrigens ein total blödes Zeitfenster: zu kurz, um etwas zu erledigen, zu lang, um einfach nur rumzusitzen und gerade lang genug, um wieder müde zu werden - meldet er sich tatsächlich bei mir. Ich gehe also auf die Straße und warte dort. Warum ich mich - bei immer noch strömendem Regen - nicht ins Auto gesetzt habe, kann ich mir nur so erklären: ICH verwende Worte wie "sofort" oder "gleich", wenn es sich um einen Zeitraum von weniger als 5 Minuten handelt ... Andere offenbar nicht.
Letztlich ist der rettende gelbe Engel aber dann doch noch erschienen. Zunächst ließ er sich das Geräusch von mir beschreiben und wollte dann die erst im vergangenen Jahr generalüberholten Bremsen dafür verantwortlich machen. Ein kurzer Selbstversuch hat ihn dann aber auf eine andere Fährte gebracht. Er steigt also wieder aus meinem Töfftöff aus, betrachtet sich die Fahrerseite und bittet mich, es ihm gleichzutun. Erst wollte ich noch abwinken und darauf verweisen, dass ich diesbezüglich wohl alle Klischees erfülle, die über die Beziehung von Frauen und Autos so im Umlauf sind. Glücklicherweise habe ich aber dann - vermutlich ein letzter Rest Selbstschutz und Emanzipation - doch noch geschaut und musste erkennen: aus irgend einem Grund war mein Auto vorne links tiefer gelegt! Nachdem es mit Hilfe des Wagenhebers wieder ins Gleichgewicht gebracht worden war, griff der Fachmann beherzt zwischen Reifen und Karosserie und brachte ein Stück meiner Federung mit dem Hinweis zu Tage, dass sich dieses oder das Gegenstück wohl kurzfristig in den Reifen bohren würde. Tolle Nachricht! Nicht nur die Feder kaputt, sondern womöglich auch noch der Winterreifen - so kurz vor Ende des Winters und vor einer ebenfalls nicht gerade kostengünstigen Jahresinspektion sowie der notwendigen Tüv-Untersuchung ganz großes Kino!
Der gelbe Engel musste das Auto dann irgendwie zur nächstgelegenen Werkstatt bringen ... denn DAFÜR zahle ich ja meinen Jahresbeitrag! DIE befindet sich allerdings direkt um die Ecke. Und seit ich hier wohne, sehe ich dort nicht wirklich oft Kundschaft. JETZT weiß ich auch, warum: die verlangen Apothekenpreise, obwohl sie eher den Duft der Ahnungslosen verströmen. In der Werkstatt angekommen - wir sind da echt mit meinem Auto hin"gefahren"! - haben sowohl der Mechaniker, als auch die Empfangsdame erst einmal ewig nach den notwendigen Informationen im Fahrzeugschein geschaut. Wohl zur Sicherheit und um auch wirklich nichts falsch zu machen, haben sie sich den dann auch noch kopiert. Und erst auf eine Anmerkung des gelben Engels wurde ich darauf hingewiesen, dass beide Federn ausgetauscht werden müssen, um die Fahrsicherheit zu erhalten. Nicht gerade sehr Vertrauen erweckend! ... Was allerdings seinen Arbeitslohn angeht, war der Mechaniker dann sehr flink und hat mir ohne Zögern - und übrigens auch ohne Scham - mitgeteilt, dass er 59 Euro - natürlich ohne Mehrwertsteuer - pro Stunde kassiert! Für DAS Geld gehen andere einen ganzen Tag arbeiten!
Aber wie so Vieles hat auch dieses Erlebnis seine positiven Randerscheinungen:
  1. Ich weiß jetzt, wie es klingt und aussieht, wenn die Federung kaputt ist.
  2. Ich weiß jetzt, wie teuer der Austausch von außen nicht sichtbarer und damit den Wert des Autos nicht steigernder Ersatzteile sein kann (zumindest bezogen auf alles rund um die Bremsen und die Federung).
  3. Ich weiß jetzt, dass es sich lohnt, in einem Auto-Club Mitglied zu sein.
  4. Ich weiß jetzt - und das ist wohl das Wichtigste! - dass ich mich auf meine Freunde verlassen kann. Denn während mir eine auf der Arbeit den Rücken frei gehalten hat, hat mir eine andere einfach so ihr Auto geliehen und wieder eine andere moralisch den Rücken gestärkt. Ich finde, das ist - bei allen negativen Aspekten - doch noch eine recht gute Bilanz.

Und zu guter Letzt habe ich noch einen Vorsatz fürs nächste Frühjahr: ich werde nicht nur mich, sondern auch mein Auto auf die Zeitumstellung adäquat vorbereiten, damit wir dann beide frisch gestärkt in den Sonnenaufgang fahren können.